Vergeltung: 3x Glück im Buch der Sprüche

Taten haben Folgen. Tun-Ergehen-Zusammenhang wird das auch genannt. Für die biblischen Sprichwörter ist dieser Gedanke ganz wichtig. Die meisten davon werden König Salomo zugeschrieben. Allerdings stehen sie zur tatsächlichen Erfahrung auch in Spannung: Natürlich hat niemand etwas dagegen, wenn es eine Belohnung für gute Taten gibt. Wenn es aber eine Strafe für böse Taten gibt, finden das bereits nicht mehr alle gut. Und wenn man für Gutes bestraft oder für Böses belohnt wird, erschüttert das den Glauben an Gerechtigkeit massiv. Bevor wir aber entsprechende Fragen stellen, schlage ich vor, dass wir folgende drei Glücksrezepte der Bibel erst einmal ernst nehmen.

1. glücklich = dankbar

Nach salomonischer Weisheit glückt das Leben vor allem dann, wenn man nicht arm ist. Materieller Segen wird grundsätzlich positiv bewertet; irgendwelche vergeistigten Konzepte findet man hier nicht. Klar ist allerdings, dass man Erfolg nicht allein sich selbst verdankt. Darum können wir in Kapitel 3 lesen:

Ehre den Herrn mit deinen Opfergaben; bringe ihm das Beste vom Ertrag deiner Arbeit. Dann werden deine Kornspeicher sich füllen und deine Weinfässer überlaufen.

Gott sei Dank! Wem sonst? Die menschliche Arbeit auf dem Kornfeld oder im Weinberg ist ja nicht unwesentlich abhängig von göttlichem Schutz – sei es vor Unwetter, sei es vor feindlichen Invasionen. Wer also das Beste vom Ertrag zur ehrenden Opfergabe macht, darf auch weiterhin mit überlaufender Fülle rechnen.

2. glücklich = eigenverantwortlich

Nachdem der erste Punkt klargestellt ist, findet die Leistung des Menschen durchaus auch Anerkennung. Mit den göttlichen Voraussetzungen kann man ja besser oder schlechter umgehen. Und so ist in Kapitel 10 dann auch eine entsprechende Arbeitshaltung von entscheidender Bedeutung:

Untätige Hände bringen Armut, fleißige Hände Reichtum. Wer gescheit ist, erntet, wenn das Korn reif ist; wer die Erntezeit verschläft, verdient Verachtung.

Du willst reich werden und bleiben? Hand an die Ernte! Aber gönne dir ruhig den Schlaf, wenn du verachtet werden und bleiben willst. Kinder dürfen mit zunehmendem Alter zwar immer mehr Entscheidungen unabhängig von den Eltern treffen. Es darf aber keine Entschuldigung geben, man hätte sie über die jeweiligen Konsequenzen nicht informiert.

3. glücklich = solidarisch 

Ist also alles selbst gewähltes Schicksal? Ist das Auseinanderdriften von Menschengruppen wie den Armen und den Reichen unvermeidbar? Nein! In Kapitel 25 erfahren wir, dass durch barmherziges Teilen sogar verhärtete Fronten wieder aufgeweicht werden können:

Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken. Dann wird es ihm bald Leid tun, dein Feind zu sein, und der Herr wird dich belohnen.

Niemand soll durstig bleiben – egal wer! Das Problem des Hungers ist überwindbar, dasjenige der Feindschaft auch. Nur eine Geste – sie kann gleich doppelte Wirkung haben. Wie sehr lohnt es sich also, Gutes zu tun! Ja, dieser dritte Punkt gehört zu einem wirklich geglückten Leben unbedingt mit dazu.

Mir sind so Rezepte einfach zu simpel – ist die Realität nicht anders?

Auch ich bin froh, dass die Bibel noch mehr zu sagen als das! Gerade im letzten Zitat ist ja bereits ein ambivalentes Verhältnis zum Gedanken der Vergeltung erkennbar. Der Tun-Ergehen-Zusammenhang tritt dann auch spätestens bei Jesus völlig in den Hintergrund (s. Joh 9,1-7): Die dunkle Nacht in dieser Welt als Folge von irgendetwas begreifen zu wollen, ist nicht zielführend. Viel interessanter ist die Frage, wessen Taten den hellen Tag in die Welt bringen! Es ist nämlich das Wirken desjenigen, der sich von Gott dazu senden lässt. Und so ein Gesandter / eine Gesandte kannst auch DU sein!

Ich möchte dich also ermutigen, die biblischen Spruchweisheiten im Sinne dieser Sendung zu verstehen: Vielleicht schickt Gott dich gerade jetzt zu einem Menschen, der (1) das Beste lieber für sich selbst beansprucht oder (2) sich selbst in Armut gebracht hat oder (3) dein Feind ist. Wie könnte eine solche Person durch dich aus ihrer Nacht herausfinden und in einen neuen Tag hinein? Ich bete, dass sie oder er durch die Begegnung mit dir (und durch dich mit Jesus) weiser wird und das ebenfalls als Geschickte(r) wiederum weitergeben kann!

Links zum Buch der Sprüche

Wer sich im Besonderen für die Frage nach der Vergeltung von Bösem interessiert, möchte sich vielleicht folgende Videovorträge des Projektes Worthaus anschauen: Gibt es einen strafenden Gott? (71 min) und Wer sein Kind liebt, der züchtigt es? (63 min). Wer sich zu den Sprichwörtern im Allgemeinen einen Überblick verschaffen möchte, tut das am besten auf der entsprechenden Bibelkunde-Seite von bibelwissenschaft.de hier oder mit folgendem Youtube-Clip von Das Bibel Projekt (8 min):

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich fahre inzwischen mit Etappe 6 fort und werde so in ein paar Wochen einen kurzen Artikel zum Buch Hiob/Ijob schreiben sowie hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zu den Sprüchen Salomos würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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