Kult: 3 zeitlose Regeln im Buch Levitikus

Als Vermittler von Befreiung und Bund ist Mose ziemlich cool. Als Lehrer von unzähligen Geboten und Verboten hat er hingegen deutlich weniger Fans. Ich kann jedenfalls auch eher darauf verzichten, dass man mir “die Leviten” liest – also Levitikus (auch 3. Buch Mose genannt). Im Zentrum steht dort allerdings das höchste Fest des Judentums – Jom Kippur, der Versöhnungstag (Kapitel 16)! Und drei Kapitel danach folgt der ethische Zentralbegriff schlechthin – die (Fremden- und) Nächstenliebe (Kapitel 19)!! Ok, ganz ohne solche alte Lebensordnungen möchte man dann doch nicht auskommen – mag die jüdische bzw. christliche Kultur, von der man geprägt ist, noch so liberal und modern sein. Selbst in der ersten Hälfte sind nicht alles nur Gesetze für religiös Zurückgebliebene. Zumindest halte ich die folgenden drei Anweisungen auch heute noch für relevant.

1. Wenn ihr ein Ritual zelebriert, dann…

…tut es zur Pflege von Beziehung! In Kapitel 3 wird eine im antiken Israel sehr gebräuchliche Opferart eingeführt, die von der Guten Nachricht Bibel mit “Mahlopfer” übersetzt wird. Die Israeliten feierten offenbar viele kultische Schlachtfeste und die Grillware endete dabei fast komplett in ihren Mägen – nur mit Ausnahme der Fettteile und des Blutes (Vers 17). Während sie ihrem Herrn also das Beste und Wertvollste opferten, ging dies sehr oft mit einem geselligen Festmahl für alle einher. Fazit: Vernachlässigt das gute Verhältnis weder zu Gott noch untereinander! Auch über sozial-moralische Werte sagt der gottesdienstlich-rituelle Vollzug bereits etwas aus. Mahlzeit!

2. Wenn ihr Geistliche ordiniert, dann…

…tut es mit einem Sinn für Ästhetik! Kapitel 8 beschreibt die Initiation für Priester, die sich aus drei unterscheidbaren Riten zusammensetzt (ab Vers 6): 1. Die Trennung von aller Unreinheit wurde mit einem Wasserbad symbolisiert, aber auch mit (wohl stellvertretend für den ganzen Menschen auf Ohrläppchen, Daumen und Zeh gestrichenem) Blut. 2. Die Schwelle zur neuen Position wurde mit dem Ersetzen der alten Kleidung durch ein Amtsgewand überschritten. 3. Die Eingliederung in die heilige Sphäre wurde mit Salböl dargestellt, das zur Besprengung allerdings auch mit Blut vermischt wurde. Eine unverwechselbare Bedeutung haben hier also vor allem Wasser, Kleidung und Salböl. Letzteres war im Alten Orient das, was für uns heute Parfum und andere Kosmetika sind! Die Ausübung eines geistlichen Dienstes hat offenbar nicht nur mit einer Schönheit zu tun, die im Verborgenen ist und bleibt. Nein, sie fängt vielmehr auch mit gepflegten Äusserlichkeiten an!

3. Wenn ihr Fleisch konsumiert, dann…

…tut es in Ehrfurcht vor dem Heiligen! Laut Kapitel 11 gibt es Tiere, die für den Verzehr tabu sind. Nach wie vor kriegt man deswegen in einem jüdisch-koscheren Restaurant z.B. kein Schwein. Nun, es gibt ja auch Leute, die einen derartigen Verzicht wesentlich profaner mit dem dick machenden Fett oder einfach mit dem Geschmack begründen. Darum ist der Einwand berechtigt, dass unser Empfinden ja stark kulturabhängig ist und auch damals die Speisevorschriften vielleicht nicht viel mehr als einen solchen Ursprung hatten. Allerdings sucht man vergeblich nach einer Auflistung von bedenklichen Gewächsen, bei denen es ja ebenfalls z.B. blähende und besser bekömmliche gibt. Sollte das Volk Israel möglicherweise doch entlang einer roten Linie unterscheiden (Vers 47), auf die niemand – egal wann oder wo – intuitiv gekommen wäre? Dann wäre nämlich genau das der Sinn: Wenn etwas gegessen wird, in dem zuvor Blut (d.h. Lebenskraft wie beim Menschen) war, soll das nie (würde- und) gedankenlos geschehen! Durch die einschränkenden Vorgaben blieben die Israeliten achtsam bei tierischer Ernährung, die so gegenüber der pflanzlichen Alltagskost immer einen betont heiligen (d.h. besonderen) Status hatte. Was also gehört auf den Müllhaufen der Geschichte – eine Kultur mit Respekt vor Gott und seinen Kreaturen oder eine, in der wahllos Vieh verbraucht und entsprechend massenhaft gehalten wird? Um diese Frage richtig zu beantworten, sollte die eigene Intuition ausreichen!

Mein unheiliges Leben hat mich längst disqualifiziert – oder etwa nicht?

Hätten Petrus und die anderen Apostel es nicht gewagt, auf den Geist zu hören, wäre die Sache tatsächlich wohl relativ einfach geblieben: Auf der einen Seite hätten wir jüdische Menschen mit zumindest einer grundsätzlichen Ahnung davon, wer laut Mose ihr Gott ist und was er will. Und auf der anderen Seite hätten wir alle diesbezüglich Ahnungslosen, die von vornherein aus dem Rennen ausscheiden. Zu denen würde ich gehören und wahrscheinlich wärst auch du Teil dieser Mehrheit, Teil irgendeiner Kultur ohne Prägung durch jene Offenbarung. Doch plötzlich verbreitete eine Schule innerhalb des Judentums mit Erfolg eine Lehre darüber, dass Jesus die genannte Zweiteilung überwunden habe bzw. dass ihr Verlauf nicht mehr so simpel gesehen werden könne. Der Himmel konnte nämlich einem noch so glänzend in Jerusalem ordinierten Geistlichen versperrt sein. Gleichzeitig konnte er einem Mann offen stehen, der in Samaria noch so falsch Rituale zelebrierte – oder einer Frau, die in Rom noch so blind Fleisch konsumierte. Ja, auch für mich und dich gilt nach wie vor, dass wir zu Gottes Volk gehören können – egal wie sehr wir uns sozusagen mit einem nichtjüdischen Lebensstil verunreinigt haben!

Zuerst sagt Gott nicht: Bleib nicht so, wie du bist! Es ist ihm zwar tatsächlich nicht gleichgültig, wenn du unter deinem Potential lebst. Dein Verhältnis zu ihm und deinen Mitmenschen (1), deine innerliche und äusserliche Schönheit (2), dein Respekt vor seinen Kreaturen (3) – all das ist für ihn nicht nebensächlich. Trotzdem sagt Gott noch vor all dem: Komm einfach so, wie du bist! Die Berufung der Zwölf, die Jesus am nächsten sein durften, macht das jedenfalls deutlich – darunter insbesondere die barmherzige Erwählung eines Zolleinnehmers (Mt 9,9-13; vgl. Lk 5,27-32 u. Mk 2,13-17). In dieser Geste lag die Ursache für die Wirkung, dass hier ein Mensch auf einmal lieber Gott als dem Geld dient. Und nur so wirst auch du der Beziehung, der Ästhetik und dem Heiligen nachhaltig einen höheren Wert geben. Wenn es nämlich etwas gibt, das deine Prioritäten und Entscheidungen für immer verändert, dann ist es garantiert kein Anspruch. Nur ein Zuspruch schafft das!

Youtube-Empfehlungen zum Buch Levitikus

Das Bibel Projekt schafft es hier, in nur 8 Minuten einen grafisch makellos dargestellten Überblick über alle 27 Kapitel zu geben. Und wer 89 Minuten Zeit hat, sollte sich von Worthaus diesen ausgezeichneten Videovortrag über das Einordnen von befremdenden Texten wie den Speisegeboten unbedingt ansehen:

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich fahre mit Etappe 3 fort und werde so in einigen Wochen einen kurzen Artikel zum Buch Numeri schreiben sowie hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zum Buch Levitikus würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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