Treue: 3 Wegweiser im Buch Deuteronomium

Von ganzem Herzen, mit ganzem Willen und mit aller Kraft geliebt werden – dieser Wunsch nach ungeteilter Aufmerksamkeit ist mir als Ehemann und Vater bestens bekannt. Leider gibt es auch in unserem Haushalt gewisse elektronische Geräte, die im Familienalltag so manchem Ideal entgegenstehen. Allerdings war die Problematik schon lange vor der Erfindung des Smartphones bekannt: In Deuteronomium (auch 5. Buch Mose genannt) wird dem Volk Israel eingeschärft, einzig auf dessen Gott zu hören. Noch heute sind diese hebräischen Worte – Schma Jisrael (Kapitel 6) – für das tägliche Gebet im Judentum zentral. Die Wirkung des Ausgesprochenen sollte ja nie unterschätzt werden. Allerdings folgt auf diesen Bekenntnistext noch mehr Lesenswertes zum Thema. Folgende drei Abschnitte zeigen (in)diskutable Strategien gegen Untreue auf – explizit in der Beziehung zu Gott, aber implizit auch gegenüber menschlichen Partnern.

1. “Lasst nichts aus und fügt auch nichts hinzu!”

Mose gibt laut Kapitel 13 ein Gesetz, dessen Weisungen eine verbindliche Ganzheit bilden – so Vers 1. Demgegenüber stehen die menschliche Tendenzen, einerseits lieber nur halbe Sachen zu machen und andererseits gerne übereifrig zu verschlimmbessern. Wie aber kann man Abweichungen in die eine oder andere Richtung vorbeugen? Offenbar geht das nur, indem man das eigene Umfeld immer wieder einer kritischen Prüfung unterzieht – dabei ausdrücklich a) Prophetie (V. 2-6), b) Familien-/Freundeskreis (V. 7-12), c) Stadtkultur (V. 13-19). Tatsächlich ist man durch diese Einwirkungen besonders verführbar:

Wenn Träume über die Zukunft eintreffen (a) – ist die Quelle solcher charismatischer Offenbarung dann nicht über jeden Zweifel erhaben? Wenn meine intimste Bezugsperson mich überreden will (b) – sollte ich dann nicht einfach blind vertrauen? Wenn Leute auf Mitbürger Gruppendruck ausüben (c) – tun die Klügeren dann nicht gut daran nachzugeben? NEIN! Wenn es darum geht, dass die Israeliten von ihrem Gott abfallen – dann gilt allerhöchste Warnstufe, dann wird der Ruf nach der Todesstrafe laut. Als erste Strategie gegen Untreue halten wir also fest: Ausmisten im sozialen Netzwerk – wenn du gefährliche Stimmen rechtzeitig stummschaltest, kann es dir das Leben retten!

2. “Und das ganze Volk sagt: ›Amen!‹”

Kapitel 27 endet mit einer Fluchsammlung: In den Versen 15-26 werden gesetzeswidrige Dinge aufgelistet, die kaum vor Gericht kommen, weil sie heimlich geschehen. Durch die kollektive Bekräftigung der Flüche darüber wird darum Gott als Zeuge und Rächer der Tat angerufen. Die durch die Wüste gewanderten Israeliten sollen dies tun, nachdem sie über den Jordan in das versprochene Land ihrer Sesshaftigkeit gekommen sind und sich zum Ausrufen von Segen und Fluch auf zwei Bergen aufgestellt haben (V. 12-14). Offenbar soll so bewirkt werden, dass der Herr Israels als allwissender Richter über jedes geheime Vergehen gefürchtet wird.

Auch wenn hier nicht Todesurteile durch Menschen vollstreckt werden, ist auch dieser Versuch der abschreckenden Eindämmung von Gesetzesübertretungen problematisch. Mose ordnet so in Wirklichkeit eine allgemeine Selbstverfluchung an – ist es ja nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche Leute im Verborgenen irgendein Unrecht begangen haben. Trotzdem dürfte es auch Situationen gegeben haben, in denen die Angst vor übernatürlicher Strafe tatsächlich eine bewahrende Wirkung hatte. Als zweite Strategie gegen Untreue halten wir also fest: Zurückschrecken wegen heiliger Scheu – wenn du Respekt hast vor der göttlichen Ahndung, begibst du dich nicht ins Abseits!

3. “Wie glücklich bist du, Israel!”

Die letzten Worte, die Mose vor seinem Tod spricht, sind in Kapitel 33 überliefert. Positiv überrascht werden nun alle, die noch einmal Drohungen und keinesfalls einen Schlussakkord in Dur erwartet haben: In den Versen 26-29 wird gepriesen, wie unvergleichlich das angesprochene Volk und dessen Gott ist. Die Einleitung (V. 2-5) hebt insbesondere auch hervor, wie kostbar das Gesetz ist. Und zwischen diesem Rahmen, der mit Jeschurun eine speziell liebevoll-poetische Bezeichnung für die Angeredeten verwendet, stehen Segenssprüche über einzelne Stämme (V. 6-25). Ja, Motivation geht auch anders!

Hier werden die Leute nicht wie schwer erziehbare Kinder zurückgelassen, die trotz Einschärfung aller Grenzen sowie der unangenehmen Konsequenzen auf der anderen Seite immer noch nicht spuren. Der Blick wird vielmehr darauf gerichtet, was für ein Vorrecht es ist, die besten Spielregeln weit und breit für ein würdevolles Miteinander bekommen zu haben. Nicht das schlimmste Szenario, sondern der bestmögliche Fall wird in Aussicht gestellt – nämlich dass Menschen erkennen, wie sehr sich ein gottgefälliges Leben lohnt. Als dritte Strategie gegen Untreue halten wir also fest: Wertschätzen aus eigener Einsicht – wenn du eine Perspektive der Dankbarkeit einnimmst, brauchst du keine anderweitige Erfüllung mehr!

Aber wenn ich trotzdem untreu werde – was dann?

Jesus hat dafür gesorgt, dass es auf diese Frage eine eindeutige Antwort gibt: Es geht nicht darum, nie vom Weg abzukommen; es geht darum, stets wieder zurückzufinden! Unmittelbar vor seiner Gefangennahme ermahnt der Mann aus Nazareth seine engsten Vertrauten zum Gebet, “damit ihr in der kommenden Prüfung nicht versagt” (Mk 14,38; vgl. Lk 22,46 u. Mt 26,41). Diese schlafen jedoch stattdessen und fallen ausnahmslos durch. Umso verwunderlicher ist, wie die Geschichte endet: Denselben Personen vertraut dann der Auferstandene die Fortsetzung seines irdischen Wirkens an – obwohl sie gerade einen wichtigen Test nicht bestanden hatten!

Ich hoffe, das ermutigt dich, nicht von vornherein aufzugeben. Überlege doch mal, mit welchen Strategien gegen Untreue du bisher Erfahrungen gemacht hast: Gab es bei dir schon eine Situation, wo ein Kontaktabbruch (s. 1) half, dass du von einem Vorsatz nicht abgewichen bist? Hatte das schlechte Gewissen, dass auch die versteckte Ausführung eines dummen Gedankens ja immer noch vor dem Auge Gottes geschähe (s. 2), bei dir jemals eine positive Auswirkung auf die innere Hemmschwelle? Kam es bereits vor, dass du etwas Herausforderndes mit anhaltender Hingabe durchgezogen hast (s. 3), weil du es immer wieder als Privileg betrachten konntest? Ich kann auf jeden Fall letzteres Erlebnis weiterempfehlen, falls du das noch nicht kennst und nun gerne etwas Neues ausprobieren möchtest…

Youtube-Favoriten zum Buch Deuteronomium

Das Bibel Projekt verhilft hier in 8 Minuten zu einem Überblick über alle 34 Kapitel – visuell sehr ansprechend gestaltet. Und darüber, welches aus allen von Mose gelehrten Geboten besonders genial ist, hat Worthaus folgenden spannenden Vortrag aufgezeichnet:

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich lese nun Etappe 3 zu Ende und werde so nächsten Monat wieder einen kurzen Artikel (zu den Psalmen) schreiben und hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zum Buch Deuteronomium würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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