Tun: 1x Gebotenes in den Johannesbriefen

Wenn man über freundliche Worte hinausgeht und sich z.B. durch ein Geschenk oder praktische Hilfe ins Zeug legt, dann hört man schnell: Das wäre doch nicht nötig gewesen! Ganz anderer Meinung sind da die drei Briefe des Johannes. Dort lesen wir, dass solcher Einsatz absolut erforderlich ist! Dienen, sich unterordnen, die soziale Stellung ablegen wie Jesus im Evangelium desselben Autors – von diesem Vorbild soll man nicht nur reden, sondern auch danach handeln. Die Erkenntnis von Gottes Wesen verpflichtet zu entsprechendem Verhalten. Schauen wir uns dazu eine zentrale Textpassage genauer an.

Lebensregel Nr. 1: Lieben in der Wahrheit

1 Joh 3,11-24 bringt es auf den Punkt: Wenn es irgendein Gebot oder irgendeinen Befehl von Gott an uns gibt, dann ist es (das Bekenntnis zu Jesus Christus und) die Liebe untereinander (Vers 23; vgl. 2 Joh 4-6). Und diese Liebe soll etwas Sichtbares sein – darum die Betonung von Taten und Wahrheit (V. 18). Wie verlogen sind doch reine Lippenbekenntnisse! Demgegenüber hat Jesus ganz klar gezeigt, wie tätige und wahre Hingabe aussieht (V. 16): “Christus gab sein Leben für uns hin; daran haben wir erkannt, was Liebe ist. Auch wir müssen deshalb unser Leben für unsere Brüder und Schwestern einsetzen.”

Damals im Römischen Reich bedeutete Jesus-Nachfolge beispielsweise, dass man im Kontrast zum Rest der Gesellschaft auch Menschen mit einer ansteckenden Krankheit gepflegt hat und damit oft ein tödliches Risiko eingegangen ist. Aber auch wenn es um weniger riskante und dramatische Alltagssituationen geht, soll man sich mit seinem ganzen Leben verschenken (V. 17; vgl. 3 Joh 5-8): “Angenommen, jemand hat alles, was er in der Welt braucht. Nun sieht er seinen Bruder oder seine Schwester Not leiden, verschließt aber sein Herz vor ihnen. Wie kann da die Liebe Gottes in ihm bleiben und er in ihr?”

Hmm – ist wirklich immer die fehlende Liebestat das Problem?

Tatsächlich begegnete Jesus auch dem andersherum gelagerten Fall, wo dem Wort zu wenig Priorität zukam – nämlich bei Marta, welche die Sorge um die Essenszubereitung im Gegensatz zu ihrer Schwester Maria für keinen Moment ausblenden konnte (s. Lk 10,38-42). Menschen, denen sowieso die soziale Rolle des Dienens zugeschoben wird (wie damals und auch heute oft noch den Frauen), haben also eher ein anderes Gebot zu hören: Mach mal eine Pause von all deiner Arbeit und erachte dich als würdig, dass du dir auch die Zeit für Inspirierendes oder sonst etwas Schönes nehmen darfst!

Wen haben gegenüber dieser Geschichte nun die Johannesbriefe im Blick? Es sind wohl eher Männer, die gerne Gemeindelehrer sein wollten und dazu keinen passenden Lebensstil vorzuweisen hatten. Es geht also nicht darum, dass grundsätzlich nur noch gehandelt und nicht mehr geredet werden soll. Vielmehr sollen beide Dimensionen zusammenkommen. Wie ist das bei DIR? Ich hoffe, du möchtest stets mehr von Gottes Wesen erkennen UND dich stets mehr entsprechend verhalten. Vielleicht hast du aber auch gerade Korrekturbedarf entdeckt – ein falsches Entweder-Oder, eine einseitige Tendenz. Dann ermutige ich dich, das jetzt im Gebet vor den Gott der Annahme und Vergebung zu bringen. Und dann: Viel Vergnügen beim ganzheitlichen, wahren Lieben!

Web-Favoriten zu den Johannesbriefen

Wer sich lesend einen inhaltlichen Überblick verschaffen möchte, kann dies bei bibelwissenschaft.de zu Brief 1, Brief 2 und Brief 3 tun. Das Bibel Projekt wiederum bietet eine Zusammenfassung, die man sich als Youtube-Clip anschauen kann (9 min):

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich fahre inzwischen mit Etappe 7 fort und werde so nächsten Monat einen kurzen Artikel zum Buch Jona schreiben sowie hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zu den Johannesbriefen würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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