Beziehung: 1x Dramatisches im Buch Hosea

Ein Ehemann sagte zu mir (damals noch Single) mal, dass er nicht gerne Filme über ein sich streitendes oder trennendes Paar schaut. Mit der herausfordernden Seite von Partnerschaft setze er sich schon im eigenen Leben genug auseinander, weshalb ihm mehr nach Komödien sei als nach Tragödien. Zur Zielgruppe des Hosea gehört er darum eher nicht – oder gerade doch? Bei diesem Prophet fielen nämlich Öffentlichkeitsauftrag und Privatleben zusammen! Seine Worte gegen die Korruption in der Stadt Samaria sind nicht – wie bei Amos – mit Visionen kombiniert, sondern mit symbolischen Handlungen: Alles beginnt damit, dass Hosea mit einer Prostituierten mehrere Kinder zeugen und ihnen Namen mit negativer Bedeutung geben soll. Heiteres Familienglück klingt jedenfalls anders und man fragt sich schon, ob so etwas wirklich göttliche Absicht sein kann.

Platz 1: Herr Oberst oder Herr Einzig?

Prophetie unterstützt Prostitution – oder umgekehrt? Tatsächlich soll die Mutter von Hoseas Kindern die Untreue verkörpern, die der Gott Israels seinem Volk vorwirft: So wie sie für diverse Männer sexuelle Dienstleistungen erbringt, so bieten sich die Menschen von Samaria fremden Göttern an. Eines von Hoseas Kindern kriegt darum den Namen “Nicht mein Volk” – als Ausdruck der Trennung zwischen Israel und seinem eigentlichen Gott. Ein endgültiges Wort ist damit gesprochen – oder doch nicht? Überraschenderweise kündigt dieser verschmähte Gott an, dass er seinen Bund mit Israel doch noch einmal erneuern will:

Ich schließe die Ehe mit dir für alle Zeiten; mein Brautgeschenk für dich sind meine Hilfe und mein Schutz, meine Liebe, mein Erbarmen und meine unwandelbare Treue. Du wirst erkennen, wer ich bin – ich, der Herr.

Nun findet die Symbolik aus dem Bereich der Sexualität also auch eine positive Verwendung: Das Volk wird seinen Gott in einem treuen und geschützten Liebesverhältnis “erkennen” – diese Wortwahl ist bestimmt kein Zufall! “Erkennen” kann in der hebräischen Sprache nämlich auch einen körperlichen Akt bezeichnen und nicht nur einen geistigen. Wenn ein Mann eine Frau “erkennt” oder sie ihn, dann ist damit das volle Programm gemeint! Das deutsche Wort “Herr” ist hingegen viel uneindeutiger als im Original. Dort liest man nämlich „Jahwe“ bzw. die vier Buchstaben JHWH. Dieser Gottesname wurde mit der Zeit nicht mehr ausgesprochen, so dass man stattdessen „(mein) Herr“ gesagt hat. Auch der Name eines anderen Gottes wurde allerdings durch „Herr“ ersetzt – nämlich derjenige des obersten der fremden Götter. Die Bezeichnungen „Herr“ und „(mein) Herr“ klingen nun für unsere Ohren fast gleich, aber dahinter stehen zwei komplett unterschiedliche Wörter für zwei Gottesbilder, die in der Bibel streng auseinandergehalten werden! Der Gott Israels will nämlich nicht einfach der beste aller Götter sein. Er will für sein Volk vielmehr einzig(artig) sein!

Wer ist denn schon an Intimität mit einem Herr-Gott interessiert?

Klar – wenn wir jemanden besonders lieben, dann nennen wir ihn bzw. sie eher Freund bzw. Freundin. Und als eine solche ‚Vertrauensperson‘ wird uns der Gott Israels durchaus vorgestellt. Gleichzeitig haben wir es aber auch mit einer ‚Respektsperson‘ zu tun und das konnte damals nur ein Herr sein. Wie gehen wir heute am besten damit um? Man könnte natürlich statt „Herr“ wieder wie ursprünglich „Jahwe“ sagen. Das würde aber den jüdisch-christlichen Dialog erschweren. Andere schlagen z.B. „der Seiende“ oder sogar „die Seiende“ vor, aber solche Lösungen klingen mehr nach Philosophie als nach biblisch-persönlicher Sprache.

Der neutestamentliche Autor Paulus präsentiert uns Jesus als gesandten Sohn Gottes, durch dessen Befreiung auch wir zu Erben bzw. Erbinnen werden und Gott als unseren Vater anrufen können (s. Gal 4,1-7). Der Aspekt des Respekts wurde so damals keineswegs abgeschwächt, aber der Aspekt des Vertrauens wurde so verstärkt. Zudem ist damit auch eine einzigartige Beziehung ausgedrückt; ein Vater ist nicht einfach austauschbar. Darum ist im Neuen Testament die Gottesbezeichnung mit „Vater“ sogar häufiger als die mit „Herr“ – nur „Gott“ selbst kommt als Bezeichnung noch häufiger vor! Und vielleicht helfen ja auch DIR diese Gedanken: Ich jedenfalls möchte diesem himmlisch guten Vater so nahe wie möglich sein! Wenn du also eher ein distanziertes oder gar kein Verhältnis zu Gott kennst und es dir eigentlich anders wünschst – warum bringst du das nicht gleich mal in einem Gebet zum Ausdruck?

Online-Ressourcen zum Buch Hosea

Von den Podcast-Serien des Projekts bibletunes gibt es die entsprechende hier zum Herunterladen (je 5-10 min; komplett gesprochener Text + kurzer Impuls). Einen Gesamtüberblick kriegt man, wenn man auf bibelwissenschaft.de den entsprechenden Bibelkunde-Artikel liest oder von Das Bibel Projekt den folgenden Youtube-Clip schaut (unter 8 min):

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich fahre inzwischen mit Etappe 7 fort und werde so demnächst einen kurzen Artikel zum Buch Joel schreiben sowie hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zum Buch Hosea würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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