Schätze: 1x Pracht im Buch Haggai

Ich gebe zu: Der Borobudur-Tempel auf Java oder das Schloss Schönbrunn in Wien haben mich beeindruckt, als ich an diesen Orten war. Trotzdem werden die Bauten einmal als Bruchbuden gelten, weil eines Tages alle Herrlichkeiten dieser Welt an einem Punkt konzentriert zu finden sind – zumindest wenn man den Propheten Haggai wörtlich nimmt. Eine ziemlich gewagte Ansage – zumal damit ein inzwischen zweimal zerstörtes Gotteshaus gemeint ist. Es ist zwar bemerkenswert, dass es damals tatsächlich zum Wiederaufbau kam. Trotzdem war die Wirklichkeit so bescheiden, dass eine endgültige Ablösung der Furcht durch den Jubel über Gott als König mitten in Jerusalem weiterhin Zukunftsmusik blieb.

1. Adresse für Schmuck: Haus des Weltherrschers

Haggai setzt aller Entmutigung und Hilflosigkeit entgegen, dass den verängstigten Leuten von Juda der göttliche Geist und Beistand ihres Herrn zugesagt ist. Dieser, dem ja letztlich alles Silber und alles Gold gehöre, würde seinem Volk Frieden und Wohlstand schenken. So ist es uns in Kapitel 2 überliefert – hier ein direktes Zitat daraus:

Ich, der Herrscher der Welt, sage euch: Es dauert nicht mehr lange, dann werde ich die Welt in ihren Fundamenten erschüttern, Himmel und Erde, Land und Meer. Ich werde alle Völker in Bewegung setzen, sodass sie ihre ganzen Schätze hierher bringen. So sorge ich dafür, dass mein Haus prächtig geschmückt wird.

Der Tempel in Jerusalem wird laut Haggai also durch alle Völker ausgestattet, die ihre Gaben dorthin bringen. Es wäre die Umkehrung dessen, was Juda zuvor erlebt hatte: Menschen babylonischer und anderer Herkunft waren ja eingedrungen, um zu plündern und alles Wertvolle abzutransportieren. Aber Gott kann offenbar die Bewegungsrichtung ändern, indem er einfach mal für fundamentale Erschütterung sorgt. Nur – leider ist die Zeitangabe, wann das geschehen soll, ein wenig ungenau.

Ist ein Gott, der so vollmundig übertreibt, nicht ein blöder Angeber?

Obwohl es sich hier um den Herrn einer gebeutelten Volksgruppe handelt, unterscheidet sich dessen Rhetorik hier tatsächlich wenig von gewöhnlichen Herren. Während hinter deren Gehabe allerdings wirklich nur aufgeblasene Männlein stecken, hat der Gott der Bibel immerhin auch wirklich Substanz vorzuweisen. Darum zieht sich die Sprache des Übertreffens bis ins Neue Testament, wo Haggai auch zitiert wird (s. Hebr 12,18-29): Bei Jesus geht es nämlich nicht nur um die Überbietung des ersten Tempels durch einen zweiten, sondern um die Überbietung der irdischen Stadt Jerusalem durch eine himmlische und um die Überbietung des alten Bundes durch einen neuen. Dabei erschüttert Gott die Welt der Vergeltung durch eine unerschütterliche Welt der Vergebung! Insofern besteht doch sehr wohl ein sympathischer Unterschied!

Vergeltung hat damit zu tun, dass man auf das eigene Recht pocht. Vergebung hat damit zu tun, dass man darauf verzichtet. Letzteres ist es, worin wir Gottes Wesen endgültig erkennen – so wie es im Gekreuzigten sichtbar geworden ist. Was auch immer man sich also unter einem zukünftigen Haus des Herrn vorstellen soll – es wird mit sicher nicht mit Zwangsabgaben geschmückt, sondern ein Weltkulturerbe der ganz anderen Art sein. Jeder Schatz wird aus frei erwiderter Liebe heraus dorthin gebracht werden. Was könnte DEIN Geschenk sein? Ein eigenes Kunstwerk, ein Akt der Vergebung / dein Verzicht auf Vergeltung, dein zerbrochenes Herz? Nimm dir doch kurz Zeit, um darüber nachzudenken! Und vielleicht hörst du vom Heiligen Geist ja gerade jetzt, was von dir er so richtig prächtig findet…

Links zum Buch Haggai

Natürlich gäbe es auch noch ein paar andere spannende Verse zu entdecken. Ich verbleibe nun aber mit dem Hinweis, wie man noch einmal einen Gesamtüberblick kriegen kann – nämlich durch den entsprechenden Bibelkunde-Artikel von bibelwissenschaft.de oder durch folgenden Youtube-Clip von Das Bibel Projekt (6 min):

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich fahre inzwischen mit Etappe 8 fort und werde so demnächst einen kurzen Artikel zum Buch Sacharja schreiben sowie hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zum Buch Haggai würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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