Zeichen: 3x Symbolisches im Buch Jeremia

Was soll das bedeuten? Das Verhalten mancher Menschen kann sehr schräg sein. Dieser Gedanke drängt sich beim Lesen der Bibel insbesondere dann auf, wenn man Propheten wie Jeremia begegnet: Da behauptet ein Mann, dass Gott direkt durch ihn spricht. Er schafft es, Aufsehen zu erregen – dank kantiger Worte und nicht selten auch dank merkwürdiger Handlungen. Sehr oft ist uns allerdings nur der aus seinem Zusammenhang herausgelöste Prophetenspruch überliefert. Bei Jeremia können wir uns darum glücklich schätzen, dass da auch viel Prophetenerzählung (insbesondere Kapitel 26-29 und 36-45) darum herum aufgenommen wurde! Folgende drei Erzählungen zeigen beispielhaft, was für anschauliche Situationen man sich zu den einzelnen Sprüchen vorstellen kann.

1. Geh zum Töpfer!

In Kapitel 18 soll Jeremia die Arbeit an der Töpferscheibe beobachten: Wie Ton – so sind nämlich die Leute von Israel in der Hand des Herrn (Verse 1-12). Dieses Wort bzw. Bild drückt aus, dass die göttlichen Pläne für ein Volk formbar sind und bleiben. Eine positive Veränderung kann also bewirken, dass eine angedrohte Zerstörung nicht ausgeführt wird. Umgekehrt kann Ungehorsam aber auch zur Folge haben, dass ein versprochener Aufbau nicht kommt. Letzteres betont Jeremia im Fall der Stadt Jerusalem, über die bald Unglück in Form von Feinden hereinbrechen wird.

Nach dem Tun-Ergehen-Zusammenhang ist klar, was die Leute von Juda zu erwarten haben – nämlich Gericht. Die Voraussetzungen dafür, dass ihr Königreich fest eingepflanzt wird und bleibt, sind wegen ihrer verkehrten Lebensführung nicht mehr erfüllt. Sie hören nicht auf Jeremia und haben es sogar darauf abgesehen, ihn zu töten. Darum endet das Kapitel mit einer der Klagen des Propheten, der doch einfach nur die Wahrheit sagen und alles noch einmal zum Guten wenden möchte. Stattdessen wird ihm Lüge unterstellt und Böses gegen ihn geplant. Entsprechend betet er (V. 19): “Gib du auf mich Acht, Herr! Hör doch, was meine Gegner reden!”

2. Kaufe den Acker!

In Kapitel 32 ist die feindliche Belagerung Jerusalems bereits Wirklichkeit geworden – dank des Treuebruchs mit Babylon durch den judäischen König Zidkija. Nur noch ein Jahr bleibt bis zur endgültigen Eroberung der Stadt durch das babylonische Heer! Vom inzwischen gefangen genommenen Jeremia würde man also nur noch zynische Kommentare erwarten. Doch gerade in dieser Situation erkennt der Prophet durch seinen Vetter Hanamel einen überraschenden Befehl des Herrn (Verse 1-15): Nach göttlicher Ankündigung kommt Hanamel, weil er seinen Acker nordöstlich der Stadt verkaufen will – ein denkbar sinnloses Angebot angesichts der fraglichen Zukunft! Jeremia aber kauft ihn und gibt den Kaufvertrag seinem Schreiber Baruch zur Aufbewahrung. Warum? Das Ganze wird so zu einem ermutigenden Zeichen bzw. Wort des Gottes Israels – dass man nämlich in diesem Land eines Tages wieder Äcker kaufen wird.

Und so endet das Kapitel mit der Aussicht auf einen Neuanfang mit den Leuten von Jerusalem – auf einen Bund, zu dem sich der Herr verpflichtet (V. 40): “Ich werde nicht mehr aufhören, ihnen Gutes zu tun, und ich werde die Ehrfurcht vor mir in ihr Herz legen, sodass sie sich nicht mehr von mir abwenden.” Bei Esra und Nehemia können wir lesen, wie es dann unter persischer Herrschaft tatsächlich zu so einer Rettung gekommen ist – auch wenn mit deren vollständiger Erfüllung weit mehr als nur der Wiederaufbau der Stadt, des Tempels und der Mauer im Blick ist.

3. Versenke die Buchrolle!

In Kapitel 51 kündigt Jeremia wieder Unheil an – diesmal allerdings gegenüber Babylon! Diese Worte, die schon mit dem vorangehenden Kapitel begonnen haben, sind in unseren heutigen Bibelausgaben ans Ende gestellt. Chronologisch dauert es hier allerdings noch sieben Jahre, bis Jerusalem zerstört ist. Das bedeutet, dass es also noch nicht zum Bruch mit dem babylonischen König Nebukadnezzar gekommen ist! Trotzdem hat Jeremia bereits nicht nur das Urteil des Herrn über seiner Stadt gehört, sondern auch über der Stadt Nebukadnezzars. Interessant ist nun, was der Prophet damit macht (Verse 59-64): Nachdem er alles auf eine Buchrolle geschrieben hat, gibt er diese (Baruchs Bruder) Seraja mit nach Babylon. Und was soll der tun? Er soll die Rolle verlesen und danach in den Fluss Eufrat werfen. Denn: Genau so wird die Stadt versinken und (im Gegensatz zu Jerusalem) nicht mehr hochkommen!

Bis zur Römerzeit war für die Leute von Juda von allen fremden Völkern keines mit den Babyloniern vergleichbar. Mit diesen war die traumatische Katastrophe (der Verbannung und) der Tempelzerstörung verbunden – was für ein historischer Einschnitt! Zugrunde lag dem aus der Sicht Jeremias bzw. des Herrn offenbar Gier (V. 13): “Volk von Babylon, du wohnst an den Ufern großer Ströme und bist unermesslich reich. Doch deine Zeit ist abgelaufen, du hast genug zusammengeraubt!” Man halte also einfach diese Konstante beim Menschen fest, tausche den Eufrat durch den Tiber aus und wundere sich nicht über den wiederkehrenden Charakter der Geschichte.

Ich finde eine solche Weltanschauung problematisch – du nicht?

Menschliche Figuren, die per Knopfdruck auf der göttlichen Fernbedienung gesteuert werden – so kann man das tatsächlich sehen: Taste A – Jerusalem zerstören; Taste B – Jerusalem wieder aufbauen; Taste C – Babylon zerstören…Taste Z – Prophet aktivieren. Ja, das wäre eine befremdende Vorstellung – als ob Gott ohne gelegentliches Strategiespiel zu wenig Abwechslung hätte. Das Problem ist aber nicht, dass es auf der Erde an sich so langweilig ist. Vielmehr ist die Welt bereits voller Gewalt – ohne dass sich da jemand von oben einmischt. Menschen üben Macht über ihresgleichen aus – mit welchem Recht?

Diese Frage hat Leute wie Jeremia umgetrieben und auch Jesus zu einer prophetischen Handlung bewegt (s. Mk 10,13-16; vgl. Lk 18,15-17 u. Mt 19,13-15): Direkt vor der Begegnung mit einem Reichen (!) erlaubt dieser, dass Kinder zu ihm kommen dürfen. Und er erklärt, dass „für Menschen wie sie“ der Neuanfang Gottes offen steht! Ja, Jesus selbst ist als Kind gekommen und auch als Erwachsener auf Fürsorge angewiesen und verletzlich geblieben. Wie ist das bei DIR? Was für ein Zeichen könntest DU setzen? Vielleicht ist es (1) eines gegen Uneinsichtigkeit in deiner Stadt, (2) eines für Wiederherstellung in deinem Land oder (3) eines gegen Unbescheidenheit woanders. Was auch immer der Herr dir eingibt – setze es um!

Links zum Buch Jeremia

Auf bibelwissenschaft.de findet man einen hilfreichen Überblick. Das Bibel Projekt bietet auf Youtube ebenfalls eine Zusammenfassung, die grafisch besonders nett aufbereitet ist – und zwar hier (unter 8 min). Und von Worthaus gibt es einen hervorragenden Videovortrag, der beim grundsätzlichen Einordnen einer prophetisch-konfrontativen Glaubensrichtung hilft (69 min):

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich lese nun Etappe 6 zu Ende und werde so in ein paar Wochen wieder einen kurzen Artikel (zu den Psalmen) schreiben sowie hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zum Buch Jeremia würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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