Anbetung: 3x Lobpreis in den Psalmen

‘Hab’ ich Grund zum Singen und zur Freude? Also in meinem Leben ist leider nix mit Vergnügen und Zufriedenheit!’ So schnell hat man eine Aufforderung zum Feiern abgehakt – nicht nur, aber z.B. auch in einem Gottesdienst: Während die in der ersten Reihe aufstehen und sich euphorisch beteiligen, signalisiert man weiter hinten kritische Distanz und bleibt sitzen. (Oder man kommt gar nicht erst und bleibt resigniert daheim.) Die Bibel hat dafür einerseits vollstes Verständnis. Wie gut, dass gerade in den Psalmen so viel geklagt wird und dort also von einer Nötigung zu guter Laune nicht die Rede sein kann! An gleicher Stelle findet man andererseits aber auch beachtenswerte Überzeugungen, welche selbst im tiefsten Keller des Lebens die Stimmung heben können und dabei ganz ohne billige Psychotricks auskommen. Von allen starken Argumenten, die in diese Richtung gehen, sind nicht zuletzt folgende drei zu nennen. 

1. Hastu Grund mitten in der Zeit!

Ich danke Gott! Er hat mein Gebet nicht abgewiesen und mir seine Güte nicht verweigert.

Mit diesem Vers endet Psalm 66, der von Gottes Taten handelt – in der ersten Hälfte zunächst für das ganze Volk in der Vergangenheit, in der zweiten Hälfte dann für einen einzelnen Menschen in der Gegenwart. Dessen Hilfeschrei ist offenbar nicht unbeantwortet geblieben, was wiederum zum Einlösen eines Gelübdes in Form einer Opfergabe geführt hat. Das Gebet beschreibt den Kreislauf des Glücks bei denen, die Dankbarkeit im Sinn haben (und nicht Böses). Viel (wenn auch nicht alles) Unglück hat also mit mangelnder Erkenntlichkeit zu tun. Manche können nämlich Gottes gutes Wirken bei jeder Kleinigkeit (an)erkennen, manche überhaupt nicht. Vielleicht kommt die Antwort auf ein Gebet auch nicht postwendend, aber doch noch zum richtigen Zeitpunkt aus himmlischer Perspektive; freilich wird aus irdischer Perspektive dann nicht mehr daran gedacht, sondern bereits ein anderes Problem in den Vordergrund gerückt. Wie auch immer – ein weiteres Beispiel für intakte Erinnerung ist demgegenüber Psalm 118, wo ein aus Bedrängnis befreiter König den Gott der unaufhörlichen Liebe besingt:

Ich danke dir, Herr, du hast mich erhört! Du hast mir die Rettung gebracht!

2. Hastu Grund am Anfang der Zeit!

Unsere Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde geschaffen hat; er ist für uns da!

Auch Psalm 124 handelt davon, was für Taten das Volk Israel seinem Herrn verdankt. Der zitierte letzte Vers erwähnt allerdings sogar den Beginn der Geschichte überhaupt – die Erschaffung der Welt! Ob göttlicher Helfer oder Schöpfer – es ist ein und derselbe Herr, zu dem hier gesungen wird. Vielleicht können manche Leute also zwar wirklich nicht erkennen, dass ihnen von oben her geholfen wurde; dann können sie sich aber hoffentlich trotzdem noch über die Schöpfung freuen! Und wenn man z.B. beim nächtlichen Betrachten von Mond und Sternen an deren Ursprung durch das mächtige Wort Gottes denkt, dann kann man auch leichter wieder an die beschützende Kraft desselben im eigenen Leben glauben. So sieht es jedenfalls auch Psalm 33, der unter anderem auch auf Hungersnöte zu sprechen kommt und so erst einmal mit der göttlichen Befehlsgewalt über himmlische Objekte (also auch über näher liegende wie die Regenwolken) einsteigt:   

Durch das Wort des Herrn ist der Himmel entstanden, die Gestirne schuf er durch seinen Befehl.

3. Hastu Grund ganz jenseits der Zeit!

Der Herr ist der Höchste, vor ihm erschrickt alles, er, der große König, regiert die ganze Erde.

Gottes Taten für sein Volk werden ebenfalls in Psalm 47 erwähnt, stehen dort aber in einem ganz besonderen Zusammenhang. Die Betonung liegt nämlich gerade nicht darauf, dass der Herr Rettung gebracht hat (oder dass er Himmel und Erde geschaffen hat). Es wird vielmehr feierlich ausgebreitet, wie Gott zu seinem Thron hinaufsteigt und alle Völker ihn ehren (sollen) – durch Händeklatschen und Freudengeschrei, Jubelrufe und Hörnerschall. Hoch über dem Wechsel von Gebet und Erhörung (oder von Nacht und Tag) im menschlichen Erleben steht geduldig und ewig das göttliche Sein. Auch für Psalm 97 ist das höchste Gut (damals: der höchste Gott) DER Gerechte und Treue – ein Herrscher, der im Gegensatz zu so mancher irdischen Witzfigur um seiner selbst willen Ruhm erntet: 

Herr, du bist der Höchste in der Welt, himmelhoch stehst du über allen Göttern!

Trotzdem – wie jemanden anbeten, den man grundsätzlich nicht sieht?

Ein berechtigter Einwand! Letztlich geht es beim Lobpreis ja um den Höchsten und nicht nur um das Höchste – um den Erschaffer und nicht nur um das Erschaffene, um den Erhörer und nicht nur um das Erhörte. Dass man dem Gott der Bibel – also einem persönlichen Subjekt und nicht nur einem (mit Sinnen oder zumindest Gedanken) greifbaren Objekt – wirklich begegnet, ist keine Selbstverständlichkeit. Und auch wenn man wie der zweifelnde Thomas (s. Joh 20,26-29) den Auferstandenen sogar mal sehen und berühren darf, bestätigt das dennoch als Ausnahme die Regel des blinden Vertrauens und Glaubens. Einerseits werden also alle, die ein klares “Mein Herr und mein Gott!”-Erlebnis brauchen und wünschen, mit der Aussicht auf entsprechendes Entgegenkommen durchaus ermutigt. Andererseits ist für eine darüber hinaus anhaltende Anbetung mehr als nur die spontane ‚Flamme‘ der Bewunderung nötig – nämlich die beständige ‚Glut‘ der Treue.

Am besten fragst DU also gleich mal: Welche Botschaft ist bei mir gerade dran? Vielleicht ist es genau die – dass du in der Spannung zwischen Flamme und Glut singen, spielen, leben lernst. Vielleicht ist es genau eine der obigen drei – dass du dich darin übst, Gott für sein gutes Wirken selbst im Kleinen (1) oder für sein Erschaffen des Ursprünglichen in der Welt (2) oder für sein geduldiges und gerechtes Sein über allem (3) zu loben und zu preisen. Vielleicht ist es auch einfach sonst ein Wort oder halber Satz, wodurch der Heilige Geist bei dir gerade etwas ausgelöst hat. In jedem Fall bete ich, dass du über diese Begegnung mit der Bibel hinaus zu einer Begegnung mit Jesus persönlich findest!

Psalmvertonungen auf Youtube

Einem englischsprachigen Projekt namens ‘Psalmsurfing’ begegnet man auf dem Kanal von Graham Kendrick, der damit zum improvisierten Singen der Heiligen Schrift einlädt. Unter anderem gibt es dort Clips zu Psalm 33 sowie zu Teil 1 und Teil 2 von Psalm 34. Mein Favorit ist allerdings folgende Aufzeichnung zu Psalm 113:

Dies war ein Blogartikel im Rahmen meines eigenen Projektes 8etappen.net und ich hoffe, er hat Lust darauf gemacht, auch selbständig auf Bibel-Entdeckungsreise zu gehen! Fange doch auch mit Etappe 1 an und folge mir in deinem eigenen Tempo! Ich nehme nun als Nächstes Etappe 8 in Angriff und werde so in einigen Wochen einen kurzen Artikel zum Philipperbrief schreiben sowie hier veröffentlichen. Deine Bemerkungen zu den Lobpreis-Psalmen würden mich übrigens auch sehr interessieren – Kommentieren ist also höchst erwünscht!!

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